Kurz gesagt
- Mit einem 3D-Drucker fertigt die Werkstatt direkt das Hilfsmittel: Korsette, AFO, Schäfte, Einlagen, Kissen und Sitzschalen, ohne Gipspositiv und ohne Tiefziehen.
- Die meistverwendeten Materialien sind Polypropylen (PP), TPU und PETG. Ein Korsett braucht etwa 6-10 Stunden Druckzeit: gedruckt wird nachts, nachbearbeitet am Morgen.
- Für ein Erwachsenenkorsett braucht es einen großen Bauraum, eine zuverlässige Filamenttrocknung und die automatische Wiederaufnahme nach einem Stromausfall.
Der 3D-Druck ist als Alternative zu Gips und Tiefziehen in die orthopädischen Werkstätten gekommen. Dieser Leitfaden zeigt, was sich heute drucken lässt, mit welchen Materialien, in welcher Zeit und was man wirklich braucht, um es jeden Tag zu tun und nicht nur als Versuch.
1. Was eine orthopädische Werkstatt heute druckt
Der Drucker erzeugt kein Modell, auf dem weitergearbeitet wird: Er baut das fertige Hilfsmittel Schicht für Schicht aus der Patientendatei auf. Am häufigsten drucken Werkstätten:
- Korsette, auch bei Skoliose, mit unterschiedlichen Wandstärken in Druck- und Entlastungszonen;
- AFO und andere Orthesen für die untere Extremität;
- Prothesenschäfte, auch Probeschäfte;
- Einlagen, fest oder weich je nach Material;
- Kissen und Sitzschalen nach Maß für Sitz- und Lagerungssysteme;
- Kopforthesen.




2. Vom Scan zum Hilfsmittel
Der Ablauf ist für alle Hilfsmittel gleich:
- Scan des Patienten mit einem 3D-Scanner statt Gipsabdruck.
- Modellierung der Form am Computer mit der CAD-Software, die die Werkstatt bereits nutzt: Korrekturen, Druck- und Entlastungszonen, Ränder.
- Druckvorbereitung: Die STL-Datei geht in den Slicer, der Wandstärken, Füllung und Düsenweg festlegt. Mit Helios HS nutzen Sie unseren Slicer mit fertigen Einstellungen für orthopädische Hilfsmittel.
- Druck: Die Maschine arbeitet allein, auch nachts.
- Nachbearbeitung: Stützstrukturen entfernen, Ränder versäubern, Verschlüsse und Polster montieren.
Gegenüber dem herkömmlichen Verfahren entfällt der längste und handwerklich aufwendigste Teil: kein Positiv, kein Ofen, kein Tiefziehen. Und jeder Patient bleibt eine Datei: Für ein neues Korsett genügt ein neuer Druck.
3. Materialien: PP, TPU und PETG
Das Material richtet sich nach dem Hilfsmittel. Die drei in der Orthopädie meistverwendeten sind:
| Material | Eigenschaften | Einsatz |
|---|---|---|
| PP (Polypropylen) | steif und zugleich elastisch, leicht, dasselbe Material wie die Tiefziehplatten | Korsette, AFO, Schäfte |
| TPU | flexibel, dämpfend, in verschiedenen Härten druckbar | Einlagen, Kissen, Sitzschalen, weiche Teile |
| PETG | steif, formstabil, einfach zu drucken | Modelle, Proben, Halterungen und technische Teile |
Mit mehreren Extrudern lassen sich zwei Materialien im selben Druck kombinieren, zum Beispiel eine PP-Struktur mit Zonen aus TPU. Helios HS hat bis zu vier Extruder und wechselt das Material selbst.
Filament nimmt Feuchtigkeit auf, und feuchtes Filament druckt schlecht. Deshalb sollte der Drucker die Spulen trocken lagern: Helios HS fasst bis zu vier Spulen mit eingebautem Trockner.
4. Zeiten und Arbeitsorganisation
Der 3D-Druck belegt die Maschine länger als das Fräsen, entlastet aber die Mitarbeiter. Auf Helios HS braucht ein Korsett etwa 6-10 Stunden: In der Praxis wird der Druck am Nachmittag vorbereitet, die Maschine arbeitet nachts, und am Morgen findet der Techniker das Hilfsmittel zur Nachbearbeitung vor.
Was sich in der Werkstatt ändert:
- die Zeit des Technikers verlagert sich vom Tiefziehen zur Modellierung und Nachbearbeitung;
- die Maschine arbeitet auch außerhalb der Arbeitszeit, ohne Bediener;
- Hilfsmittel werden tageweise geplant, wie eine Druckwarteschlange.
Ein zehnstündiger Druck muss einen Stromausfall überstehen: Die automatische Wiederaufnahme nach einem Blackout sollte man vor dem Kauf prüfen.
Rechnet es sich in Ihrer Werkstatt? Ersparnis berechnen oder kostenlose Demo vereinbaren.
5. 3D-Druck oder Fräsen?
Das eine schließt das andere nicht aus. Die Fräsmaschine erzeugt in wenigen Minuten das Polyurethan-Positiv zum Tiefziehen und ist der naheliegende Weg für Werkstätten mit Ofen, Tiefziehgerät und erfahrenen Technikern. Der 3D-Druck ersetzt das Tiefziehen und erzeugt direkt das Hilfsmittel, belegt die Maschine aber stundenlang.
Viele Werkstätten nutzen am Ende beides. Den vollständigen Vergleich mit Kosten, Platz und Software finden Sie in der Kaufberatung CNC-Fräsmaschine oder 3D-Drucker.
6. Worauf man bei einem Drucker für die Orthopädie achten sollte
- Bauraum. Ein Erwachsenenkorsett wird in einem Stück gedruckt: Die Maße müssen reichen. Helios HS druckt bis 600 × 600 × 800 mm.
- Zeit für ein echtes Hilfsmittel. Entscheidend ist, wie lange ein Korsett oder eine Einlage dauert, nicht die Höchstgeschwindigkeit im Datenblatt.
- Offene Materialwahl. Prüfen Sie, ob Filamente verschiedener Hersteller ohne Einschränkung nutzbar sind.
- Extruder und Trocknung. Mehrere Extruder, um Materialien zu kombinieren, und trocken gelagerte Spulen.
- Wiederaufnahme nach Stromausfall. Unverzichtbar für Nachtdrucke.
- Slicer und Profile. Fragen Sie, wie viel Handarbeit jede Druckvorbereitung braucht und ob es fertige Profile für orthopädische Hilfsmittel gibt.
- Schulung und Service. Wer begleitet Sie in den ersten Monaten, und wie schnell kommt eine Antwort, wenn die Maschine steht? Bei uns dauert die Schulung ein bis zwei Tage, und der Service antwortet am selben Tag.
7. Häufige Fragen
Muss die CAD-Software gewechselt werden?
Nein. Der Drucker arbeitet mit STL-Dateien, die jede orthopädische Modellierungssoftware ausgibt: Die Werkstatt bleibt bei der Software, die sie kennt.
Ist ein gedrucktes Korsett anders als ein tiefgezogenes?
Das Material kann dasselbe sein, Polypropylen, aber der Druck erlaubt es, die Wandstärke Punkt für Punkt zu variieren und Öffnungen und Verstärkungen direkt ins Modell zu integrieren. Veröffentlichte Studien beschreiben gedruckte Rumpforthesen, die dünner und leichter waren als herkömmliche für dieselben Patienten.
Was kostet der Druck eines Hilfsmittels?
Das hängt von Material, Größe und Maschinenzeit ab. Die Kosten sind mit den heutigen zu vergleichen: Gips, Platten, Stunden am Tiefziehgerät, fremdvergebene Teile. Der Ersparnisrechner rechnet mit den Zahlen Ihrer Werkstatt.
Kann man vor dem Kauf testen?
Ja. In unserem Demobereich in Navacchio (Italien) sehen Sie Helios HS bei der Arbeit, und wir können einen Testdruck mit Ihren Dateien machen, auch per Videoanruf begleitet.
Möchten Sie ein gedrucktes Korsett live sehen?
Schicken Sie uns eine Datei oder erzählen Sie uns, welche Hilfsmittel Sie fertigen: Wir zeigen Ihnen Helios HS bei der Arbeit und organisieren einen Testdruck.